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"stadtdessen" 2003


18.-21.11.2003, Tallinn, EST

Ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Kulturinstituts Tallinn, der Transkunst - Transnationalen Kunstinitiative e.V. Dresden, des Linnakultuurifestival ´03 und der Tanzagentur 2.tants promotion Tallinn

Seit fünf Jahren wird den ganzen Monat November das "Linnakultuurifestival" - die Kulturtage Tallinn - abgehalten, dessen Anfänge aber schon weitere fünf Jahre zurückliegen. Zu diesem Anlass finden in- und ausländische Künstler unterschiedlicher Gattungen, die überwiegend eine zeitgenössiche bis avantgardistische Ausrichtung vertreten, zusammen und stellen sich dem dortigen Publikum. Organisatorisch ist das Festival beim international bekannten "Von Krahli Teater" angesiedelt, das mit mehreren Aktiven aus der Kulturszene Estlands zusammenarbeitet und auch ein Partner ausländischer Institutionen ist. Unterstützt wird es von der Stadt Tallinn und diversen institutionellen und privaten Förderern.

Für das diesjährige Festival soll ein genreübergreifendes deutsch-estnisches Gemeinschaftsprojekt vorbereitet werden, wobei durch den Rückgriff auf die sächsischen Künstler von "The Ancient Gallery" die aufwendigen Vorbereitungen reduziert werden sollen, da diese bereits über zahlreiche, eine bestimmte Arbeitsweise erfordernden, Erfahrungen verfügen: "The Ancient Gallery" sind in der zeitgenössischen elektronischen Musik beheimatet; für ihre Texte verwenden sie häufig auch Vorlagen moderner deutscher Autoren - so unter anderem von Barbara Köhler (edition suhrkamp, zahlreiche deutsche Literaturpreise). Ihre Shows betrachten sie als ein Gesamtkunstwerk, wobei Werke anderer Künstler aus den Bereichen Malerei, Photographie und Design zum Tragen kommen. Für die Arbeit im Studio werden Musiker-Kollegen eingeladen, bei Liveauftritten hat die Band mit Bewegungskünstlern und Choreographen zusammengearbeitet. Vor interessiertem Publikum finden zuweilen Lesungen statt, u.a. von Autoren, deren Werke in den Liedtexten verarbeitet wurden. Alles in allem verbergen sich hinter "The Ancient Gallery" keine Autisten, sondern Menschen, die künstlerisches Schaffen als Gemeinschaftsaufgabe begreifen, die vom Austausch lebt.

Bisher sind "The Ancient Gallery" in Tschechien, Polen, Ungarn und Frankreich aufgetreten. Die Teilnahme am "Linnakultuurifestival ´03" wäre mithin der erste Auftritt im Baltikum und böte den dortigen Künstlern die Möglichkeit zu einer Kooperation mit Kollegen aus Deutschland bzw. aus Sachsen, was wiederum den Beginn einer zukünftigen engen Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Institutionen darstellt. Geplant ist ein Gemeinschaftsprojekt der Band mit den Bewegungskünstlern von "ZUGA ühendatud tantsijad - united dancers of ZUGA" aus dem Umkreis der Agentur "2.tants promotion", dem Nukleus des estnischen Avantgardetanzes, die zur Musik eine Performance erarbeiten. Die TänzerInnen der Gruppe verfügen allesamt über umfangreiche Erfahrung bei internationalen Projekten. Vor dem eigentlichen Auftritt findet ein dreitägiger Workshop statt, in dem das - über die Entfernung - schon Erarbeitete gemeinsam umgesetzt und perfektioniert werden soll.

Das Projekt verfolgt drei Ziele, die ineinandergreifen. Das "Linnakultuurifestival" soll u.a. mittels der Teilnahme von deutschen Künstlern weiter internationalisiert und für die Zukunft für ausländische Künstler attraktiver werden. Estland ist nicht nur geographisch für viele Menschen noch immer ein weißer Fleck, ein wenig annehmbarer Zustand für ein Land, das in einem Jahr der Europäischen Union angehören wird. Es finden bereits seit mehreren Jahren gemeinsame Initiativen statt, doch besteht ein großer Bedarf bei Projekten mit ausländischer Beteiligung. Die bisher zum "Linnakultuurifestival" angereisten KünstlerInnen kamen jeweils nur für den Auftritt; erstmals ist ein Workshop geplant, dessen Ergebnis während des Festivals präsentiert werden soll. Das zweite Ziel liegt in der Zusammenarbeit von deutschen und estnischen Künstlern. Der Reiz ist ein doppelter: zum Einen arbeiten Künstler verschiedener Genres zusammen und zum Anderen Menschen mit einem völlig unterschiedlichen geographischem, kulturellem und mentalem Hintergrund. Das Ergebnis dieses Aufeinandertreffens wird zweifellos eine Bereicherung für die weitere Arbeit aller Beteiligten darstellen.

Schließlich kann mit diesem Projekt als Initialzünder eine zukünftige enge Kooperation auf dem künstlerischen und kulturorganisatorischen Sektor zwischen Estland und Deutschland im Allgemeinen sowie Tallinn und dem Dresdner Raum im Besonderen ins Rollen gebracht werden. Nicht teure Großprojekte bilden die Grundlage eines kulturellen Austausches, sondern eher die kleineren aber sehr vitalen Initiativen, die lokal und regional von Bedeutung sind und zudem vom ehrenamtlichen Engagement der Beteiligten leben. Eine Kooperation von Aktiven aus Tallinn und dem Raum Dresden wird einen weiteren Baustein zur Verwirklichung dieser Idee darstellen, von der nicht nur die Künstler und Kunstinteressierten der beiden Städte profitieren.

mit freundlicher Unterstützung: der Robert Bosch Stiftung

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