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European Sons
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Velvet Underground "European Sons"
Auf der Suche nach kulturellen Wurzeln der Rock- und Popmusik in Deutschland und Tschechien trifft man immer wieder auf eine Band: Velvet Underground. Kaum eine andere Band hat Musik, Film und bildende Kunst des alten Jahrhunderts und des neuen Jahrtausends so stark geprägt. Unzählige bedeutende Künstler der letzten 40 Jahre beziehen sich auf deren Werk und covern ihre Songs: David Bowie, U2, Joy Division, Nirvana, The Strokes, Sonic Youth, Martin Gore. Idole mehrerer Generationen von Rockmusikfans und zwar im westlichen, wie im östlichen Europa. Dieses Thema ist also geeignet, die historischen Gräben zwischen Deutschen und Tschechen und dabei vor allem einer breiten Altersgruppe zwischen 16 und 65 wirkungsvoll zu überbrücken.
Bezüge zu Velvet Underground findet man in der tschechischen Kulturszene allerorten. Lou Reed, Frontmann von Velvet Underground, zählt zu den persönlichen Freunden des ehemaligen Staatspräsidenten Havel. Die Plastic People Of The Universe machen sogar mit ihrem Bandnamen den Bezug zu Velvet Underground deutlich. Die Filme von Zelenka, Ondrasek oder Michalek weisen einen deutlichen Bezug zu den in der New Yorker Factory entstandenen Virtualität auf.
Auch in Deutschland ist die Wirkung nicht zu unterschätzen. Bands wie die Einstürzenden Neubauten, Phillip Boa, FSK, und diverse Technoprojekte oder der Regisseur Philip Grüning beziehen sich auf Velvet Underground.
Diese Band, die im engen Umkreis der Factory arbeitete und durch Andy Warhol und sein Exploding Plastic Inevitable Projekt, eines der ersten Mixed-Media-Events, gefördert wurde, ist längst auch in Kunstkreisen keine terra incognita mehr.
V.U. european sons überschreitet ganz im Sinne der Factory Genregrenzen und gewinnt dadurch zusätzlich eine innovative Komponente. Die Bestandteile sind je nach Örtlichkeit variabel einsetzbar und passen sich somit an Galerien, Musikklubs oder anderen Durchführungsorten an.
V.U. european sons ist nicht nur als Songtitel der Band bekannt, sondern beschreibt die Dimension der Wirkung der Gruppe auf das Kulturleben in Europas Westen und Osten.


An der Projektumsetzung wirken folgende "europäische Söhne und Töchter" der Band mit:
I) Bildende Kunst
Marie Pittroff, die in Mainz lebende französische Malerin, hat sich intensiv mit dem Phänomen Lou Reed auseinandergesetzt. In vielen Ausstellungen präsentierte sie ihre hyperrealistischen Lasurmalereien, die im ersten Blick nicht von Photographien zu unterscheiden sind. Lou Reed war selbst so begeistert davon, dass er sieben Gemälde direkt als Bildmaterial ins Booklet zu seiner Doppel CD New York City Man einbaute und selbst auch ein Bild erwarb.
www.mariepittroff.de
Holger Wendland 1956 in Pößneck geboren, lebt und arbeitet in Dresden und Oelsnitz/Erzgeb. Aus seiner bisherigen Auseinandersetzung mit der schillernden wie dunklen Persönlichkeit von Nico schuf er zwei eindringliche Filme "Frozen Warnings" und "o.T./mein Name ist Nico". Für diese Ausstellung entstanden das dreiteilige Leporello "Scarred Nerves" zu Nico und die Objekt-Collage "wo laut über laut aufläuft" zu Sterling Morrison.
Raimund Friedrich befasst sich in vielschichtigen Collagen mit der bizarren Persönlichkeit John Cale. Geboren 1947 in Chemnitz, 1968-74 Studium an der Hochschule für industrielle Formgestaltung (heute Kunst und Design) Halle Burg Giebichenstein, seit 1975 Mitglied im VBK-DDR, seit 1990 Mitglied im Bund Bildender Künstler Deutschlands/Chemnitzer Künstlerbund. Freischaffend tätig als Maler, Grafiker, Gebrauchsgrafiker und Designer lebt und arbeitet in Burkhardtsdorf bei Chemnitz.
Ulrike Beckmann (Solingen) arbeiten schon seit längerer Zeit an einem Nico Projekt. 1944 in Solingen geboren. Studium an der Academie Francaise. Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, als freischaffende Künstlerin tätig, lebt sie in Solingen und auf Ibiza. Arbeiten in öffentlichen und privaten Sammlungen. Ulrike Beckmann Von der Philosophie des Malens in den Bildern so lautet die Headline in einem Text von Hans Knopper zu den Arbeiten. Genau an der Nahtstelle, wo die Welt der Kunst sich in Bereiche bewegt, die sprachlich nur schwer darstellbar sind und über die man laut Wittgenstein, deshalb auch nur schweigen kann, setzt die Kunst von Ulrike Beckmann an. In einer Welt der Superlative, der verblüffendsten Forschung, der schnelllebigen Medien, der potenzierten Könnerschaft des Menschen, bleibt es doch allein zurück inmitten all der Suche nach Wirklichkeit und dem Eigentlichen des Seins. Indem Ulrike Beckmann, für die Köpfe den Ort der Entstehung der Welt symbolisieren und die Wittgensteinschen Leitern für die Grenze des Formulierbaren stehen, aber darüber hinaus auch Möglichkeiten anbietet, aus dem begrenzten Bildraum auszubrechen und mit einem neuen Denken zu beginnen. So kann Malerei zu Philosophie werden.
Detlef Schweiger (Dresden) ist als Crossover-Künstler bekannt, der in seinem Werk verschiedene Bereiche bildender Kunst und anderer Gattungen vereint. Selbst auch als Klangakteur tätig, reflektiert er seine Faszination für das minimalistische Schlagzeugspiel Moe Tuckers in einem Wandobjekt. Zusammen mit seinem Bandkollegen von SARDH, Robert Zeißig, erarbeitet er für die Eröffnung der Ausstellung eine Klang-Performance, die collageartige Auszüge des titelgebenden VU-Stücks "European Sons" und Tucker-typische Minimalrhythmik verknüpft mit verfremdeten Passagen aus Lou Reeds avantgardistischem Noise-Klassiker "Metal Machine Music" und einem eigenen lyrischen Textbezug. 1958 in Düsseldorf geboren, Kindheit und Jugend in Dresden. 1979-1984 Studium Kunsterziehung, Malerei/Grafik an der Humboldt-Universität Berlin, lebt und arbeitet seit 1986 in Dresden-Loschwitz.
www.detlef-schweiger.de
II) Musik
Der gebürtige Engländer Phil Shoenfelt lebt seit vielen Jahren in Prag. Sein Schaffen ist direkt und indirekt von Velvet Underground geprägt. Musikalisch finden sich Stilelemente von John Cale oder Lou Reed. In seinen Jahren in New York wurde seine damalige Band Khmer Rouge von Factory-Photograph Nat Finkelstein gemanagt. Phil Shoenfelt ist diesseits wie jenseits der Grenze als Musiker bekannt und beliebt.
www.philshoenfelt.de
Seit mehr als zehn Jahren am DJ-Pult steht der Dresdner DJ Warholy. Nicht nur der Name nimmt Bezug auf den Mastermind der Factory, auch optisch ist Andy irgendwie präsent. Wichtiger ist jedoch die musikalische Komponente, DJ warholy verfolgt die Wirkung der Velvet Underground im alternativen Musikbereich bis heute.
www.silverfactory.de
Eine Instanz in der Dresdner Darkwave- und Industrial-Szene ist DJ Disorder. Er begibt sich im "Monday-Chillout" im Anschluss nach der Ausstellungseröffnung auf die "darksite V.U.". Das Potential melancholischer Songs und magisch-düsterer Klangstrukturen im Schaffen der Mitglieder von VU ist über die Szene hinaus von dauerhafter Bedeutung. Hier kommen auch die Werke der VU-Mitglieder zu Gehör, die vor und nach dem Ende des VU-Verbunds entstanden, vorallem von Nico, John Cale und das geniale Requiem für Andy Warhol "Songs for Drella" von Lou Reed und John Cale.
www.club-debil.com
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