Gottfried Benn - Ein Kunstprojekt zum 50. Todestag
Text – Handzeichnungen auf Papier
Gottfried Benn, umstrittener und hoch gelobter deutscher Dichter von Weltrang, starb am 07.07.1956. Somit jährt sich 2006 sein 50. Todestag, nebenbei können wir auch seines 120. Geburtstag gedenken. Gottfried Benn in seinem Rang als Lyriker für die deutsche Sprache weiter zu beschreiben, hieße "Eulen nach Athen" zu tragen. Er gehört zu den wirklich anerkannt großen deutschen Dichtern des 20. Jahrhunderts. Sein expressionistischer Band „Morgue“ war ein Schock und eine Hymne für die Generation, die den ersten Weltkrieg miterlebte. Seine Spaziergänge durch Krebsbaracken und Lazarette erzeugen das Grauen hautnah. Seine spätere Hinwendung zu einem echt klassischen Duktus, im Klang an den immer wieder beschworenen Goethe geschult, zeugt von seiner Wandlungsfähigkeit als Künstler, der nicht im Substantivgewitter der Expressionisten stehen bleibt.
Benn zitiert immer wieder einen Satz von Heinrich Mann: „Ist nicht alles aus Ton, indem wir spielend nach Göttern suchen.“ Ergänzen wir diesen nun um eine typisch bennsche Bemerkung, „Sich irren und dennoch seinem Inneren weiter glauben schenken müssen, das ist der Mensch und Jenseits von Sieg und Niederlage beginnt sein Ruhm.“, so erhalten wir ein Substrat, eine Lebensmaxime auch des gefährlichen, des „verruchten Dichters“ (Klaus Mann). Benn der subversive Künstler, der Einzelgänger, der Unangepasste beging politische Fehler, landete aber ebenso auf dem Index der Nationalsozialisten und erhielt Schreib- und Publikationsverbot. In den letzten Jahren seines Lebens erlangte er höchste Dichterehren.
Die Kuratoren Mirko Sennewald und Holger Wendland möchten den 50. Todestag des Dichters zum Anlass nehmen, ein internationales Kunstprojekt als Ausstellungstournee zu installieren.
Gottfried Benn ist den meisten Lesern als Lyriker ein Begriff. Grundlage für alle teilnehmenden Künstler des Projektes ist aber der Prosatext "Urgesicht". Ein Text von 1928, der die Grenzen von Wissenschaft und Medizin bewertet, der aktueller den je, die Kluft zwischen Verschwendung und Armut, Substanz und Lebensbegriff und dessen Wirken auf den Menschen in seinem individuellen Rang aufzeigt, die Gefährlichkeit des reinen ökonomischen Utilitarismus beschwört und sich zeitweilig in der Prosa zu großer Lyrik aufschwingt: „Ich sah das Ich, den Blick aus seinen Augen, ich erweiterte ihm die Pupille, sah tief in sie hinein, sah tief aus ihr heraus, den Blick aus solchen Augen: fast ausdrucksschwach, mehr witternd, Gefahr witternd, eine uralte Gefahr. Aus Katastrophen die latent waren, Katastrophen, die vor dem Worte lagen, grauenvolle Erinnerungen des Geschlechts, Zwitterhaftes, Tiergestaltiges, Sphinxgebeuteltes des Urgesichts.“
Die teilnehmenden Künstler beschränken sich auf Arbeiten auf Papier. Es werden ausschließlich Handzeichnungen mit eingearbeiteten Texten aus dem Prosatext "Urgesicht" gezeigt: also eine Kombination von Schrift und Zeichnung.
Drei Gründe sprechen hierfür:
- Für die Ausstellungstournee erscheint es angebracht, eine kostengünstige Variante auch für den Transport zu jeder einzelnen Ausstellungsmöglichkeit zu gestalten.
- Gottfried Benn war ganz ein Künstler des Wortes. Bildende Kunst, obwohl mit Renee Sintenis und George Grosz befreundet, interessierte ihn nicht besonders. Somit erscheint der Einbau von Textpassagen und Textsplittern in die Zeichnung als Hommage sozusagen sinnreich.
- Der Text "Urgesicht" ist so vielgestaltig, dass die unterschiedlichen künstlerischen Handschriften gerade in der Kombination noch besser herausgearbeitet werden können. Ebenso liegt momentan in der verdienstreichen Edition der Rundfunkprotokolle des Zweitausendeins Verlages auch eine wunderbare Hörfassung des Textes mit der Stimme Benns, der die Ausstellung begleiten könnte, vor.
Wir sprechen Künstler aus der gesamten Bundesrepublik Deutschland an. Bisher sagten zu:
- Petra Kasten – Dresden
- Detlev Schweiger – Dresden
- Klaus Hirsch – Lugau
- Steffen Vollmer – Chemnitz
- Klaus Hirsch – Lugau
- Ulrike Beckmann – Solingen
- Marie Pietroff – Mainz
- Ulrich J. Wolff – Karlsruhe
- Holger Wendland – Oelsnitz / Erzgeb.
... wir sind im Gespräch mit weiteren Künstlern.
Bisher haben für die Ausstellungstournee zugesagt:
- Galerie Klinger Görlitz Juli 2006
In Verhandlung stehen wir mit:
- Goetheinstitut Barcelona, Herbst 2006
- Galerie Kappler, Darmstadt Winter 2006/2007
- Festspielhaus Hellerau 2007 (tba)
nach oben
|