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Rock4Peace

Projektbeschreibung:

1. Projektziele:

Vermittels kultureller Instrumente werden wir die Wechselwirkungen zwischen politischen Umständen und (sozio-)kultureller Szene näher beleuchten. Dabei stehen mit Nagorny Karabach, Kosovo und Belarus drei Länder exemplarisch parat, die nur zwei Sachen gemeinsam haben: die Lage im einstigen „Ostblock“ und die schwierige Situation der Jugendkultur. Dennoch unterscheiden sich die Probleme recht deutlich. Während in Karabach und dem Kosovo die Jugendkultur nach ethnischen Konflikten auf völlig unterschiedlichem Niveau um ihre Existenz kämpft, so ist sie in Belarus längst selbst eine Waffe. Mit Rock4Peace 2008 möchten wir zunächst öffentlichkeitswirksam kulturelle und politische Länder- und Problemanalysen betreiben.

Dabei soll der Bezug zu Sachsen keinesfalls zu kurz kommen. Nagorny Karabach wird zwar aufgrund seiner Unikaten Situation als Fallstudie stehenbleiben, dennoch ist ein Blick in die international nicht anerkannte Bergrepublik lohnenswert, allein um den vergessenen und ungelösten Konflikt mit kulturellen Mitteln zurück ins Bewusstsein der Sachsen zu holen. Die Lage im Kosovo hat uns in Diskussionen vor Ort veranlasst, einen Versuch des Vergleichs zwischen Sorben und Serben als Beispiele für das Zusammenleben verschiedener Ethnien zu wagen: Sachsen und die Sorben als positives Vorbild eines konstruktiv-kritischen Miteinanders. Belarus als letztes autoritäres System in Europa bietet vor allem Berührung aufgrund seiner deutlichen Parallelen zum Leben vor 1989 in der DDR. Zwei Themen sollen dabei besonders beleuchtet werden: Politische Zensur in der Musik und die tragende Rolle der Rockmusik(erInnen) im politischen Veränderungsprozess.

Nicht zuletzt bietet das Projekt die Möglichkeit, die Situation in Sachsen kritisch zu reflektieren. Viele Umstände, die hier selbstverständlich scheinen, sind andernorts schier unerreichbar. Einige Umstände gemahnen zur Wachsamkeit und sollen unseren Gästen Mut und Kraft für eigenes Engagement geben.

2. Projektinhalte:

Trilogie. Den Zielen und den Projektergebnissen von Rock4Peace 2007 folgend werden wir drei Themenwochen zu jeweils einer Krisenregion mit ihren Spezifika veranstalten. Positive Erfahrungen solcher Themenwochen in Dresden veranlassen uns zur Hoffnung, 2008 auch dem Publikum anderer sächsischer Städte von unseren Erfahrungen zu berichten. Die Projektbausteine sind je nach Örtlichkeit verschieden und hier der Einfachheit halber zusammenfassend dargestellt (vgl. 4.).

3. Projektinstrumente:

Als Kommunikationsinstrumente greifen wir auf verschiedene kulturelle Sparten zurück, um einerseits eine möglichst breite Zielgruppe zu erreichen, andererseits der kulturellen Vielfalt der jeweiligen Länder Rechnung zu tragen.

Optisch sollen Ausstellungen die Situation der Jugendkultur und des Freizeitalltags unterzeichnen. Damit haben die sächsischen Jugendlichen die Möglichkeit, sich ohne abenteuerliche Reisen ein eigenes Bild von der Lebenswelt ihrer Altersgenossen in den Krisenregionen zu machen.

Eine Podiumsdiskussion mit Experten aus Sachsen und den jeweiligen Ländern bieten den direkten Kontakt zu zentralen Akteuren, sichern die von uns gewünschte inhaltliche Intensität und werten das Projekt insgesamt auf.

Filme reflektieren die Lage in den Regionen mit eignen Mitteln, bieten einen hochemotionalen Zugang zur Problematik und mögen die Cineasten für unsere Ziele gewinnen. Im Anschluss wird eine moderierte Diskussion mit Hintergrundinformationen erfolgen.

Nicht zuletzt dient die Rockmusik als Träger unserer Botschaften. Der relativ niedrigschwellige kognitive Zugang soll dem Zuspruch eines größeren Publikumskreises dienlich sein und als jene Sparte, die nicht unbedingt auf Worte angewiesen ist, vor Ort direkte Brücken bauen.

4. Detaillierte Projektinhalte:

4.1. “Jugendkultur zwischen ethnischen Fronten: Sorben und Serben“

6.-15. Juni 2008

Europas jüngste Kriege waren überwiegend ethnisch motiviert. Ein Land, das die Folgen des Krieges noch lange nicht überstanden hat, ist der Kosovo. Als Niemandsland unter UN-Verwaltung, abgeschnitten von Serbien und nach Vertreibung auch der kulturellen serbischen Elite klafft ein Loch. Dennoch gibt es junge Menschen, die mit ihren eigenem künstlerischen Schaffen und kulturellen Kontext dieses Loch zu füllen beginnen. Junge Fotografen dokumentieren die aktuelle Entwicklung, junge Musiker verwandeln ihre Garage in einen alternativ-kritischen Buch- & Plattenladen, ein Vertriebener wagt den Sprung in die Selbständigkeit und versucht mit seinem Musikklub den Spagat zwischen Disko und Alternative. Dennoch bleiben mehr Fragen als Antworten. Wird es jemals wieder ein normales Zusammenleben mit den Serben geben können? Gibt es kulturelle Brücken zwischen Künstlern der beiden Länder? Hat insbesondere junge Kunst und Kultur die Kraft, die Wunden zu lindern? Wie entwickelt sich die Soziokultur weiter, welche Chance und welche Risiken gibt es? Antworten, die wir von unserer Veranstaltung erwarten. Eine sächsische Antwort haben wir aber bereits: friedliches Zusammenleben verschiedener Ethnien ist möglich und bereichert nicht nur die Soziokultur. Sachsen und Sorben!

Fotoausstellung: Momentaufnahmen Priština 2007 – Jugendkultur im Kosovo

Podiumsdiskussion:
Dr. Solveig Richter (Politikwissenschaftlerin, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für internationale Politik, TU Dresden, Balkanexpertin, Dresden)
Armend Kabashi (Musiker, Inhaber der alternativen Plattenfirma Ginger Embargo Rec., Priština) oder Babuka Gashim Besim (Musiker, Klubbesitzer, Priština)
Mirko Sennewald (M.A., Geschäftsführer Kultur Aktiv e.V., Dresden)
n.n. (Experte für sorbische Kultur und Politik)

Filme:
“Kosova: Does anyone have a plan?”, R: Lode Desmet, 85 Min, 2006
„Serbski son. Sich sorbisch trauen“, R: Edmund Ballhaus, 72 Min. 2002

Konzert:
Awful Noise (sorbisch-deutsche Rockmusik)
Cutebabulja (Kosovo)
Shazalakazoo (Serbien)

4.2. „Jugendkultur zwischen politischen Fronten: Nagorny Karabach“

18.-27. Juli 2008

Die politische Situation in Nagorny Karabach ist geprägt von einem militärisch und politisch instabilen Status Quo und völliger internationaler Isolation. Die Auswirkungen auf das Leben der Jugendlichen zeigen sich nicht nur in Perspektivlosigkeit hinsichtlich der Erwerbsarbeit, sondern auch im kulturellen Bereich. Krieg und Waffenstillstand ließen auch die kulturellen Uhren stillstehen. Das Freizeitleben der Jugend in der Hauptstadt Stepanakert erinnert an „friedliche Zeiten“ der Sowjetunion, davon zeugt nicht nur der rostige Rummelplatz im Stadtpark. Kulturelle Mitwirkungsangebote unterbreiten nicht etwa eine Vielzahl von soziokulturellen Vereinen, sondern weitgehend staatliche Institutionen. Selbst die einzige Band des Landes ist staatlich! Die einzige Disko in dem sehr patriarchalischen Land ist den Jungs vorbehalten, Mädchen dürfen obendrein im Café weder bei den Jungs sitzen oder gar rauchen. Gibt es dennoch Hoffnung für eine Entwicklung der Jugendkultur?

Fotoausstellung: Spots aus Karabach, Jugendliche in ihrer Freizeit

Podiumsdiskussion:
André Alabaster (M.A., Politikwissenschaftler, Forschungsschwerpunkt Nagorny Karabach, Lehrstuhl für politische Systeme und Systemvergleich, TU Dresden, Musiker, Künstler)
Yervand Petrosyan (NGO "Hayki Serount" Nagorny Karabach“)
Mirko Sennewald (M.A., Geschäftsführer Kultur Aktiv e.V.)

Film und Bericht: „Rock4Peace 2007 – Zen Zebra (Leipzig) auf Tour in der Bergrepublik“

4.3. „Jugendkultur als Front: Belarus und die DDR“

5.-14. September 2008

Seit 1994 regiert Alexander Lukaschenko in Minsk. Sein autoritär geführter Staat weißt nicht nur gravierende Folgen für Wirtschaft, Medien und Opposition auf, auch die Kultur gerät zunehmend unter Druck. Insbesondere jene bunte Landschaft, die der Soziokultur zuzuordnen ist. Staatlich unabhängige Theatergruppen werden samt Publikum verhaftet, Stücke verboten, Regisseure verfolgt. Am augenscheinlichsten trifft die staatliche Zensur jedoch die Rock- und Popmusik. Allein der Fakt vor „falschem“ Publikum – namentlich der Opposition – zu spielen, reicht aus, um solchen Gruppen das Leben schwer zu machen. Dabei gibt es offiziell keine Auftrittsverbote, auch keine Sendeverbote für Radio und TV. Doch die lange Hand des KGB sorgt dafür, dass die Gitarre trotzdem schweigt… Und es gibt mutige Jugendliche, die in der Illegalität nicht nur für Freiheit und Demokratie kämpfen, sondern eine bunte Kulturszene am Leben halten! Vieles in Belarus 2008 erinnert an unsere eigene Vergangenheit vor 1989…

Fotoausstellung: „Rock me Luka! – Spots aus dem Underground“, Andrei Liankevich (angefragt)

Podiumsdiskussion:
Diskutanten:
Maya Medich (Freemuse, internationaler Verband “Freedom of Musical Expression”, Expertin für Forschung zivilgesellschaftlicher Entwicklung in Osteuropa, London)
Ljavon Volski (Sänger der Band N.R.M., Kultfigur der weißrussischen kulturellen Opposition, Minsk)
Mirko Sennewald (M.A., Projektleiter Belarus, Geschäftsführer Kultur Aktiv e.V., Dresden)
Jochen Wisotzki (Regisseur „Flüstern & Schreien“, Autor) noch nicht angefragt oder Christian Hentschel (Journalist melodie & rhythmus) noch nicht angefragt

Lesung:
Cäsar, Autobiographie (noch nicht angefragt, eventuell Vertretung wegen Krankheit! Christian Hentschel?)

Filme:
„Flüstern und Schreien“ (Rock-Doku, DDR, 1988)
„Za Svabodu 1…2…3“ (Polit-Musik-Doku, BY, 2008 )

Konzerte: Tawarish Mauser (BY) + Cäsar (GER) (evtl. Vertretung wegen Krankheit! Sandow?)

Projektträger:

Kultur Aktiv e.V.

Projektpartner:

Alte Brauerei Annaberg e.V., Jens Roscher
LeISA gGmbH/Die VILLA, Leipzig, Micha Marschall
Steinhaus Bautzen e.V., Torsten Wiegand
Metronom, privatwirtschaftlicher Musikklub, Dresden, Oliver Tschentscher
Thalia Filmtheater, Dresden (tba)
Vierradenmühle u.a., Görlitz, Andreas Vockrodt

Cadence Music Centre e.V., Jerewan, Armenien
Haiks Generation e.V., Stepanakert, Nagorny Karabach
Dritter Weg, nicht eingetragener Verein, Minsk, Belarus
Freemuse e.V., Kopenhagen, Dänemark
Ginger Embargo Rec., Priština, Kosovo
Pawk – Sorbischer Jugendverein e.V.

u.v.a.m.


Think Global - Act Local!
Frieden ist überall?!
www.rock4peace.at

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