Tschechien: Nacktbaden, Waldhörner und Autokinos

Geschlossene Grenzen und das Schrumpfen des Alltags auf das Nötigste, Nächste und Bekannteste sind noch lange kein Grund, auch im Kopf die Schranken eng zu setzen. Auch und vor allem in dieser Zeit gilt es, regelmäßig über den Tellerrand zu schauen und die Kreativität wachzuhalten!

Als ein Land, das alles andere als schicksalsergeben auf die Corona-Pandemie reagiert, hat sich Tschechien entpuppt.

So werden zunächst praktische Probleme angegangen: die Initiative „Mundschutz für Senioren“ kümmert sich darum, dass kein*e Senior*in ungeschützt bleiben muss und treibt kostenlose Masken auf – die zum Beispiel im Gefängnis genäht werden.

Um die im Krankenhaus Arbeitenden zu schützen, haben sich Wissenschaftler*innen einen Weg ausgedacht, Schnorchel- zu Schutzmasken umzurüsten. Nebenbei fast schon ein künstlerischer Ausdruck für die Änderungen der Sommerpläne..

Und dass dieses Jahr wohl sowieso nicht in der Südsee geschnorchelt werden kann, ist doch gleich ein guter Anlass, um die Reize der eigenen Heimat wiederzuentdecken. Baden kann man schließlich auch im Baggersee. Der Kurort Lazne Bohdanec zum Beispiel hat so einen See, mitsamt FKK-Strand. Corona hat hier zwar nicht zu einem Verbot von Schwimmen und Sonnenbaden  geführt. Dafür allerdings zu einer ganz neuen Form von Zensur: Es gilt nun als Motto der Aufruf der örtlichen Polizei: „Nackter  Körper –Ja, unverhüllter Mund, Nein“.

Damit nicht nur das Baden, sondern auch das Musizieren weitergehen kann, hat der Hornist Radek Baborák eine Spendensammlung ins Leben gerufen, die freischaffende Musiker*innen unterstützt.  Derer etwa 80 haben bis Ende April von den Spenden profitiert; die Aktion läuft noch weiter. Außerdem ist Baborák Mitgründer eines Hornfestivals, das Anfang Mai zum ersten Mal veranstaltet wurde – im Stream anstatt wie geplant in Prag.

Für alle, denen Hornmusik nun doch etwas zu speziell ist, gibt es ja noch das gute alte Kino. Zumindest eine Version davon, die eigentlich gar nicht mehr so sehr in der Mode ist, nun aber wegen der Corona-freundlichen Abstände in Tschechien wieder vermehrt auftaucht: das Autokino. Geknutscht werden kann nicht nur in der hintersten Reihe, und der Ton wird über das Autoradio und – natürlich vorher desinfizierte – Kopfhörer empfangen. Nicht einmal auf vollgekrümelte Autositze als Zeugen des kulturell verbrachten Abends muss verzichtet werden; Popcorn gibt es in abgepackten Dosierungen zum Verkauf.

Und falls doch lieber das eigene Wohnzimmer für die Bildschirmunterhaltung herhalten soll, wird gerade eine Corona-Sitcom gedreht, die humorvoll über den Quarantäne-Alltag verschiedener Bewohner*innen eines Mietshauses erzählen soll. Auch die eigenen Erlebnisse der Fernsehschauenden sollen einfließen und können zu diesem Zweck auf einer Internetseite des Senders geteilt werden.

Bei all diesen Entwicklungen leibt also nicht grundlos zu hoffen, dass unser Nachbarland die Krise frohen Mutes überstehen wird!

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