„Jugendkultur zwischen ethnischen Fronten: Sorben und Serben”

Im Juni 2008 lag mit der ersten Projektwoche der Schwerpunkt auf der Jugendkultur im soeben staatlich gegründeten Kosovo. Der aktuelle Anlass sorgte für großes Interesse und heftige Diskussionen. Der Referent Armend Kabashi aus Priština berichtete jedoch nicht nur von der aktuellen politischen Situation, sondern ging auf die Auswirkungen auf die Jugendkultur ein. Sosindim Bereich Musik, Fotografie und Bildende Kunst zwar Akteure zu finden, Strukturen oder Institutionen zu ihrer Unterstützung existieren jedoch kaum. Als spannender Fakt kam jedoch heraus, dass viele Beziehungen zu serbischen Partnern bis heute erhalten sind und genutzt werden. Als Vertreter der sorbischen Jugend berichtete Domenico Gruhn von den Bedingungen unter denen sorbische Jugendliche leben und ihrer Kultur nachgehen.
Dabei tauchte die Problematik des Zusammenlebens und–arbeitens mit den sächsischen Jugendlichen nicht als Hauptproblem auf, vielmehr die Identitätssuche sorbischer Jugendlicher zwischen den immer wieder betonten sorbischen Traditionen und der modernen Gesellschaft. Vor allem in Bautzen konzentrierte sich die Diskussion erwartungsgemäß die sorbische Jugend. So manches Manko kam zur Sprache, während die Podiumsdiskussionen andernorts klarmachten, wie wenig die Sachsen eigentlich von den Sorben wissen. Als Gastreferentin in Leipzig legte Dr. Solveig Richter (Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin) einen Schwerpunkt auf die Problematik der Anerkennung des Kosovo als eigenen Staat und die damit verbundenen Konsequenzen in anderen Krisenregionen. Ihre Prognose bestätigte sich leider im August 2008 mit dem Georgienkrieg. Ähnlich argumentierte Jakob Lempp (MA, TU Dresden) bei seinem Beitrag in Dresden, hob jedoch bei der Diskussion über den Umgang mit ethnischen Minderheiten wichtige Faktoren hervor, die für eine friedliche Koexistenz notwendig sind. Vor den Diskussionsrunden zeigten wir die Dokumentation „Does anyone have a plan?“, der anschaulich, aber weitgehend unparteiisch, die schwierige Situation im Kosovo beschreibt.

Neben den inhaltlichen Diskussionen sorgte eine Fotoausstellung von Armend Kabashi in Görlitz, Bautzen, Leipzig und Dresden für optische Eindrücke vom Leben Jugendlicher im heutigen Priština. Gemeinsam bewiesen die Bands Shazalakazoo aus Serbien und Por-No aus dem Kosovo, dass Musik verbindet und gaben in den fünf Städte gemeinsame Konzerte. In Görlitz und Dresden wurden sie dabei von der Gruppe Star is All unterstützt, die auch sorbische Musiker umfasst. Den würdigen Abschluss und Höhepunkt bildete für alle Referenten und Musiker die Teilnahme am Lustgarten zur Bunten Republik Neustadt, wo die Bands begeistert aufgenommen wurde und der Lustgarten einmal mehr den Spirit der Internationalität versprüht hat.

Künstlerische Leitung: Mirko Sennewald
Produktionsleitung: Marie Lauffer
Produktionsassistenz: Falk Pinkert

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