Unermüdliche Ukraine

Geschlossene Grenzen und das Schrumpfen des Alltags auf das Nötigste, Nächste und Bekannteste sind noch lange kein Grund, auch im Kopf die Schranken eng zu setzen. Auch und vor allem in dieser Zeit gilt es, regelmäßig über den Tellerrand zu schauen und die Kreativität wachzuhalten!

Schauen wir heute in die Ukraine. Dieses Land hat seit Jahren mit Krieg und Spannungen im Verhältnis zu Russland zu kämpfen. Als dann auch noch Corona kam, hat das Verhalten verschiedener Institutionen nicht gerade dafür gesorgt, Angst und Verunsicherung zu verringern:
Die orthodoxe Kirche sieht sich als Kompetenz für Glaubensfragen aller Art, entschied so im April schlichtweg, das Virus gehöre nicht zu den Dingen, an die zu glauben sei und fordert die Menschen zu Umarmungen auf. Von Medien wird die Pandemie genutzt, um gegen den Westen zu propagieren und vom Kreml, um seine Stellung im Osten des Landes zu sichern.
Auch für die ukrainische Kulturszene sind die Zeiten nicht rosig, wurde doch angekündigt, ihr Budget radikal zu kürzen.

Die Kunst lebt trotzdem weiter und setzt sich aktiv mit der Situation auseinander. Gerade in der Ukraine, wo die medizinische Versorgung durch den Krieg behindert wird, Kliniken und Apotheken schlecht ausgerüstet sind und dann deswegen auch noch Ärzt*innen das Handtuch werfen, gilt dem medizinischen Personal besondere Hochachtung. Einen bildlichen Ausdruck dafür fand Serhiy Hudak, ein Mitarbeiter der nationalen Nachrichtenagentur Ukrinform. Er hat mit seiner Kamera Kliniken besucht, um Momente und die maskierten Gesichter der Ärztinnen und Pfleger, bei denen er sich damit bedanken will, fotografisch festzuhalten.

 

 

Neben diesen ergreifenden Aufnahmen gibt es aber auch noch Werke, die das Thema auf weniger ernsthafte, sondern spielerische und unterhaltsame Weise behandeln. So hat die Popband Mozgi mit ihrem Corona-Song „No Hugs No Kisses“ einen wahren Hit gelandet, mit dessen Aussage der Abt des Höhlenklosters wohl gar nicht einverstanden wäre. Zu der eingängigen Melodie gibt es ein wunderbares Musikvideo, in dem Alltagsverrichtungen zu Dancemoves umgearbeitet werden und demonstriert wird, wie vorbildliches Verhalten aussieht. Auch wenn dabei das Flirten auf der Strecke bleibt und die schöne Sitte der Free Hugs nicht mehr zur von Umarmungsbedürftigen zur Zuwendungsgenerierung verwendet werden kann…

 

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